Reya Dawnbringer

Magic: the Gathering in Dresden und Umgebung

Es ließ sich nicht vermeiden

Es gibt immer wieder Scrubs, die ihre Finger nicht von der Computertastatur fernhalten können, um Artikel zu verfassen. Da können sich die anderen Mühe geben wie sie wollen und es mit freundlichen Worten sagen: "... vielleicht solltest Du Dich mit den Regeln befassen bevor Du Artikel schreibst." (Zitat: Xianghua)

Nun, ich habe mich eingehend mit den Regeln befaßt, habe mein Deck zusammengeworfen und es gewagt, an den Sachsenmeisterschaften teilzunehmen. Ich wurde sogar als Teilnehmer zugelassen. Das Deck war das im letzten Artikel vorgestellte Proteus-Oath mit einigen kleinen Änderungen. Ein 3. Mirrodins Core kam für einen Coastal Tower, ein einzelner Pulse of the Grid ersetzte ein Decree of Justice. Das Sideboard verließen die Pulse of the Grid und die Steal Artifact, dafür kamen 3 Harsh Mercy, ein Pulse of the Fields und ein Gilded Light hinein.

Was ist das jetzt wieder für eine blöde Idee? Harsh Mercy?? Nunja, in völliger Ignoranz ging ich einfach mal davon aus, daß Kreaturen die nur Artifact Creature sind, keinen Typ haben (was wohl sogar stimmt) und damit ist das ein Wrath of God für 3 gegen Revanger Affinity. Und der 3. Zug ist gerade noch rechtzeitig.

Mit 99 Teilnehmern war die Sachsenmeisterschaft so zahlenmäßig stark besetzt wie noch nie, aber auch an Qualität mangelte es nicht. Alle Spieler die in Sachsen Rang und Namen haben ließen sich blicken, wenn auch die Legende "El" Mario Zemke nur als Schlachtenbummler erschien.

Das Ambiente war der Gemeindesaal einer Kirche, was mich zu der Überlegung brachte, ob Zorn Gottes und Tempel der falschen Göttin wirklich angebrachte Karten sind und ich nicht vielleicht lieber Kleriker hätte spielen sollen. Aber da war gleich angrenzend ein Friedhof und dann Moderlungen-Wiederbeleber...? Lieber nicht!

Auf den ersten Blick war zu erkennen, daß man es mit einem Meer aus Affinity zu tun haben würde in dem aber auch noch andere Haie herumschwammen.

Eigentlich wollte ich ein paar ausführliche Notizen zu jeder Partie machen, aber auf Grund des geringen Platzes für jede einzelne Paarung und auch um mich voll auf jede Partie konzentrieren zu können, ließ ich es sein. Ich werde mich also in den einzelnen Spielen auf die wichtigsten Momente konzentrieren.


1.Runde: Rene Stanzick - Monoblack-Beats mit Death Cloud 0:2

Der Tag beginnt alles andere als verheißungsvoll, da ich diese Partie verliere. Im ersten Spiel kommen ich erst sehr spät an eine "Hilfskreatur" heran und mein Gegner hat die Todeswolke schon bereit, als der Colossus das Spiel betritt. Mit fehlt eine weitere Kreatur um den Staff nochmals zu aktivieren und so werde ich totgeprügelt. Im 2. Spiel bleibe ich bei 2 Ländern stecken und die Death Cloud im 5. (ich noch immer 2 Länder) für 2 hilft nicht wirklich. Ich kann mich zwar noch auf 4 Länder hochkämpfen, aber dabei sind 3 Inseln und das macht Zorn nicht möglich. Warum ich die 2-Land-Hand gehalten habe? Nun, eines der Länder war Blinkmoth Nexus und Staff hatte ich auch auf der Hand, so daß es gegen schwarz gut ausgesehen hätte, wenn ein bißchen Land nachgeflossen wär.


2.Runde: Trung Le Ngoc - Elfen 2:0

Ohne dem jungen Spieler, der an diesem Tag nach eigener Aussage sein erstes Turnier spielte, zu nahe treten zu wollen, dies war das schwächste Deck, gegen das ich es an diesem Tag antreten mußte. Er brachte in beiden Spielen zu Anfang ein paar Elfen auf den Tisch und war nach einem Zorn und nachfolgendem Staff, Colossus jedesmal erledigt. Im ersten Spiel schien er auch ein bißchen manascrewed zu sein.


3.Runde: Olaf Krzikalla - U/W-Control 2:1

Diese Partie war die anstrengendste des ganzen Tages. Es ging über 3 Runden und das in einem Match Control gegen Control. Olaf spielte mit Dumping Matrix Main-Deck, was mir ein bißchen Kopfzerbrechen bereitete. Im 2. Spiel brachte ich es zur Friseuraktion des Tages und versuchte die Matrix mit einen Oblivion Stone zu entsorgen. Jetzt lachen wir alle mal kräftig! Klar, der Scrub... Dieses Spiel ging dann auch an Olaf. Beeindruckend war ansonsten das zweimalige Hardcasten des Colossus und der Bounce von 2 Eternal Dragon zum Schluß im ersten Spiel. Im dritten Spiel machte Olaf nach meiner Meinung einen Fehler als er ein Wing Shards auf einen einsam angreifenden Blinkmoth Nexus verfeuerte. Sicher hat das nicht das Matrix-Stone-Kaliber, aber ich denke, gegen mein Deck sollte man die Shards schon für den großen Dicken aufheben. Olaf machte nach dem Spiel einen ziemlich frustrierten Eindruck. Offenbar hatte sein Deck ihn schmählich im Stich gelassen. Vorallem die Exalted Angels waren sehr exaltiert und ließen sich nicht blicken: "Nein, nein, mit so einem rostigen Blechmann wollen wir nichts zu tun haben. Da macht man sich ja die weißen Flügel schmutzig, igitt, igitt."


4.Runde: Rene Wagner - Elfen mit Schwarz-Splash 2:0

Während des Spiels nahm ich an, es mit einem Cemetery-Deck zu tun zu haben, daß nicht funktionieren wollte. Hinterher klärte Rene mich auf, daß es sich um Elfen plus Nantuko Husk handelt. Im ersten Spiel kann Rene mich auf 6 prügeln, ehe ich seine Bande in den Griff bekommen kann. Aber schließlich bekomme ich die Sache mit Zorn und Stone unter Kontrolle. Der Colossus ist dann gnadenlos wie immer. Im zweiten Spiel beginnt Rene mit einem Land und baut sich dann Mana mit Birchlore Rangern auf. Das kann nicht gut gehen, denn nach einem Thirst for Knowledge habe ich plötzlich 4(!) Wrath of God auf der Hand. Nach dem ersten ist das Spiel aber praktisch schon vorbei, weil Rene kein Land nachzieht. So habe ich mich in der ersten Runde gefühlt.


5.Runde: Stefan Menzel - Elfen! 2:1

Um mich herum laufen die Roboter Amok und ich spiele schon zum dritten Mal gegen kleine grüne Männer. Das ist auch so toll, weil ich da außer Pulse of the Fields nichts, niente, rien, null, nil, zero und in türkisch nüx im Sideboard habe. Das ersten Spiel läuft für Stefan nach Plan. Er beginnt mit dem Wirewood Symbiote und setzt mit Bloodline Shaman und Scullclamp nach. Das ist praktisch schon Game. Von diesem Punkt an kämpfe ich mich nur bergan und da auch mein Removal mich schmählich verrät, sieht es traurig aus. Im zweiten Spiel habe ich von Beginn an ausreichen Boardsweeper auf der Hand. Mit Zorn, Vengance, Vengance kann ich seinen Aufbau stoppen und 2 Bloodline Shaman, sowie 3(!) Scullclamp entsorgen. Als der Colossus das Spiel betritt gibt Stefan sofort auf. Im dritten Spiel fängt Stefan sehr langsam und bescheiden mit Bloodline Shaman im 2. Zug an. Im 3. folgt ein 2. Shaman und damit wird ein Echoing Truth zum Timewalk. Ich lege wieder mit Zorn und Vengeance nach und halte noch einen Oblivion Stone. Auf Staff in Colossus mit nachfolgender Stone-Zündung reicht Stefan mir die Hand.


6.Runde: Frank Kurowski - Cemetery-Rock 2:1

Frank bietet mir erst mal Remis an. Da ich mir aber mehr Chancen gegen sein Deck als gegen Affinity ausrechne, spiele ich lieber. Ich glaube auch ein ID in der 6. Runde mit einem Zwang zum Sieg in der 7. ist weniger nützlich als ein ID in der 7., wenn man seine Punkte schon in der Tasche hat. Als Rache beantwortet Frank meinen Staff im 3. Zug mit Viridian Shaman. Von diesem Punkt an ziehe ich fast nur noch Länder nach und Frank bringt das erste Spiel nach Hause. Ich nehme 2 Guilded Light und Pulse of the Fields hinein und hoffe auf bessere Zeiten. Die kommen. Im 2. Spiel habe ich zeitig Pulse of the Grid, die einem Gegner der manaflooded ist und daher seine Hand nicht leeren kann Kopfzerbrechen bereiten. Bei 7 Mana aktiviere ich erste eine Blinkmotte und rechne mit Echoing Decay. Das kommt nicht. Also spiele ich Proteus Staff. Frank kann den auf dem Stack natürlich nicht naturalisieren und wenn er dann im Spiel ist, habe ich als aktiver Spieler ja erstmal Priorität (man sieht, ich habe mich ein bißchen mit den Regeln beschäftigt). Also aktiviere ich den Staff, der zwar als Antwort darauf vernichtet wird, aber sein böses Werk schon getan hat. Colossus erscheint und macht, was er soll. Das dritte Spiel läuft ähnlich, bloß Frank schimpft vom ersten Zug an. Offenbar verscheißert ihn sein Deck.


7.Runde: Frank Morgenstern - Ravager Affinity (Rub-Version) ID

Ich bin mit 16 Punkten sicherer Neunter. Das reicht mir, da ich zur Zeit der DM nicht in Deutschland weile und keinem einen Slot wegnehmen will. Ich spiele ein einzelnes Testspiel gegen Frank, der mich mit Shrapnel Blast einen Zug vor dem eigenen Ende ausbrennt. Wie es nach dem Sideboarden gelaufen wäre, werde ich nun nie mehr erfahren.

Ich bin mit meinem Abschneiden bei dieser Sachsenmeisterschaft sehr zufrieden. Natürlich muß ich zugeben, daß ich Affinity ziemlich gut ausgewichen bin und auch den echten Haß-Gegner (Goblin-Bidding) vermeiden konnte. Dennoch bin ich nach wie vor vom Potential dieses Decks überzeugt, wenn man es nicht als Combo-Deck spielt, sondern als Control-Deck mit einer besonderen Gewinnoption. Echoing Truth hat mir nach meiner Meinung wenigstens zwei Spiele gewonnen. Harsh Mercy hatte einen netten Ausflug in der Deckbox, da ich nie sideboarded gegen Affinity gespielt habe. Ein einzelnes kam in der 6. Runde hinein, da hier mit Ratten, Biestern, Elfen, Vögeln sehr verschiedene Kreaturtypen auf den Tisch kamen.

Besonderes Lob an Daniel Dietze, der mit March of the Indestructables ein sehr hübsches Rogue-Deck zusammengestellt und zum Erfolg geführt hat. Dies zeigt, wie erfolgreich man sein kann, wenn man etwas spielt, was die anderen nicht auf der Rechnung haben. Ebenfalls hervorzuheben ist Friedemann Uschner, der mit UW-Control als Sieger des Swiss hervorging und dann droppte, da er nicht zur DM fahren will. Damit hat er natürlich in Anbetracht seiner Leistung bis zu diesem Zeitpunkt auf die mögliche Ehre des Sachsenmeisters verzichtet. Und erwähnt sein der MiDi (Michael Diezel), der bei 5:0 aus dem Swiss ausschied, weil er über DCI-Punkte qualifiziert ist und so auch Platz für andere Spieler geschaffen hat. Seinem 12Posts-Deck wäre sicher auch noch einiges zuzutrauen gewesen.

Michael Siedentopf, 10. März 2004