Reya Dawnbringer

Magic: the Gathering in Dresden und Umgebung

Chemnitz - 12 Points!!

Bericht zu den Regionals 2004

Lange ist es her, daß ich das letzte mal einen Bericht nach einem Turnier geschrieben habe. Eigentlich gab es ja auch nicht viel zu berichten und eigentlicher wollte ich gar nichts mehr schreiben. Aber zuletzt gab ja einige Events in meinem absoluten Lieblingsformat Standard und nach den diesjährigen Regionals bleibt mir wohl nichts anderes übrig, also frisch ans Werk...

Stupide über jedes einzelne Match zu schreiben ist wenig innovativ, daher werde ich einfach mal so meine Gedanken zu den diesjährigen Meisterschaften schreiben und Matchanalysen eher als zweitrangig betrachten.

Wie immer stellen die Regionals für mich den Höhepunkt des Magicjahres dar und endlich konnte ich auch den Großteil der Chemnitzer "Turnierspieler" davon überzeugen. Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand. Zahlenmäßig die meisten Teilnehmer und dazu so ziemlich alles an den Tischen was sachsenweit Rang und Namen hat. Nun gut, ein paar bedeutende Namen fehlten dann doch...

Jedenfalls ist seit jeher die ganze sächsische Turnierebene von LEer und DDer besetzt. Oder nein, seit zwei Jahren schaffte es die kleine Stadt Chemnitz jedesmal einen ihrer Spieler in die Top 8 der Sachsenmeisterschaft zu entsenden. Was an und für sich schon Erfolg genug war mußte doch noch zu steigern sein. Nach meinem 4. Platz im letzten Jahr sollten wir noch eine Schippe drauflegen. Ja, "Sachsenmeister aus Chemnitz!" klingt ganz gut, schien aber doch etwas utopisch. Vielmehr nahmen wir uns vor, diesmal gleich zwei Top 8 Plätze mit Spielern aus unseren Reihen zu belegen. Zumindest war das ein Ziel mit dem wir leben konnten.

Für mich würde das im etwa so aussehen. Ich spiele sieben Runden Magic. Mit etwas Glück schaffe ich Top 8 und verpasse dann dort die Slots zur DM (Sollten ja eh nur höchstens vier Slots sein!).
Das wäre dann perfekt gelaufen, da dies ein gelungener Übergang wäre um sich langsam vom Magicspiel (insbesondere dem Turnierspiel) zu verabschieden.
Nach vier Jahren Magic und relativ intensivem Spiel reicht es dann auch irgendwann. Nicht, daß das Spiel keinen Spaß mehr macht aber irgendwie bin ich in der Realität angekommen. Wenn man jung und ledig ist, mag das alles gehen aber sobald man berufstätig ist und dazu anfängt sich eine Existenz aufzubauen, dann wird die Zeit und die Energie doch etwas knapp.
Andere sächsische Spieler machen es ja vor und nehmen, wenn auch oft schleichend, Abstand vom "zwanghaften" Turnierspiel. Zeit und Energie habe ich in den vergangenen Jahren jedenfalls in die Chemnitzer Magicszene gesteckt. Als ich hinzu gekommen bin gab es gerade mal zehn Spieler, die sich zwar regelmäßig aber eigentlich nur zum Spaß getroffen haben. An Turnierspiel war abgesehen von gelegentlichen Bundesliga Spieltagen nicht zu denken. Mittlerweile bin ich verdammt stolz auf das, was in den vier nachfolgenden Jahren aus dem Chemnitzer Magic Klub geworden ist. Neben nunmehr fast 70 begeisterten Mitgliedern konnte bei sächsischen Turnieren immer wieder mit Chemnitzern auf den vorderen Plätzen gerechnet werden. Aber auch über Sachsen hinaus konnte im letzten Jahr der gute Daniel seinen größten Erfolg mit dem Sieg bei den Open Ost in Berlin feiern.
Jetzt stehen hoffnungsvolle Nachwuchstalent bereit, die ähnliche Erfolge erringen können. Demzufolge mache ich mir keine Sorgen mehr darüber ob und wie in Chemnitz später Magic gespielt wird.

Nun gut, es scheint vorerst zumindest als würde sich da in meinem Zeitplan etwas verschieben...

Jedenfalls haben wir Chemnitzer relativ zeitig, also mit dem Erscheinen von Mirrodin, angefangen Standard zu testen. Wie bei den meisten anderen auch fing das natürlich mit Affinity an, über W/X und Goblins, bis hin zu irgendwelchen Rogue LD-Decks.
Ende Januar/Anfang Februar waren wir dann auch der Meinung, daß in einem Feld von Kontrolle Red Deck Wins (also das gute Burn-Deck) das "Deck to play" ist. Und bis auf Ricky, der an U/W festhielt, war Mountain der gefragteste Landtyp. War auch irgendwie toll, wenn der Gegner den bedrohlich wachsenden "Slith Firewalker" mit "Zorn Gottes" entsorgte und als Dank Firecat und halt Burn an den Kopf bekam.
Irgendwann kam dann Darksteel mit dem netten Equipment "Skullclamp" und plötzlich war Beatdown wieder angesagt. Das RDW konnte hernach keinen Blumentopf mehr gewinnen. Zumindest war Goblin das stärkere rote Deck aber auch gegnerische Rock-Decks machten nicht wirklich Spaß.
Nun standen als nächstes die Dresden Open an und die meisten schwangen auf das althergebrachte Broodstar-Affinity um. Ich war wohl dazu verdammt wieder mal Goblin Bidding zu spielen. Ricky versuchte mich davon zu überzeugen, daß die Goblins mit "Skullclamp" viel, viel besser sind. Ich war mir da nicht so sicher, da sich beiden Versionen völlig anders spielten und ich ohne "Skullclamp" relativ gut geübt war.
Beim abschließenden gemeinsamen Testen vor den Open packte Thomas Winkler das in einigen Foren heiß diskutierte Broken Frog Deck aus. Natürlich zerlegt er beim testen sämtliche andere Decks. Beim analysieren erkannten wir, daß sich zu den beiden ausprobierten "Arcbound Ravager" gern ein Dritter oder sogar Vierter gesellen sollte. Auch die Disciple im Sideboard könnten schon fast den Sprung ins Maindeck schaffen...
Zu Hause veränderte ich das Deck nach meinen Wünschen und testete ausgiebig auf Workstation. Daß Broken Frog gut war hatten dann einige weitere Chemnitzer gemerkt. Die einzelnen Decks waren allerdings ziemlich random. Außer mir spielte keiner Disciple im Maindeck und der Ravager wurde auch nicht so gehypt. Dafür schafften es bei einigen Brecher wie Broodstar in das Deck... So ging es jedenfalls noch mit einem Astral Slide, zwei U/W, einem Rock, einem Broodstar-Affinity, einem Kleriker und zwei Ponza-Burn Decks nach Dresden. Goblins wollte irgendwie keiner mehr spielen, was ich gar nicht so recht verstand.

Bei den Open belegte ich nach sieben Runden Swiss überraschend Platz 1 und verlor dann in den Top 8 mit meiner U/B Variante ("Ohne Removal"! Was soll das???) wie erwartet gegen Elfen feat. Stefan Heumann. Wichtige Erkenntnisse konnte ich dabei vor allem aus drei Matches gegen Astral Slide Decks gewinnen, die ich jedesmal gewann.

Eine Woche später stand der Felsenburg Liga Spieltag im Standard an. Da ich Broken Frog über hatte und abzusehen war, daß die meisten Chemnitzer mein erfolgreiches Deck von den Open kopieren würden, gab ich den Goblins eine Chance. Diesmal entschied ich mit für das allmächtige "Skullclamp". Nach fünf Runden stand ich gegen zwei Frog, ein Goblin Bidding, ein G/R Anti-Affinity-LD und ein Astral Slide mit fünf Siegen da.

Während im Internet Broken Frog nunmehr Ravager-Affinity hieß und zum neuen Tier 1 Deck erkoren wurde, stand in Lichtenstein am Vorabend zu den Regionals nochmal FNM an. Für mich hieß es nur noch abzuwägen zwischen Ravager oder den Goblins. Vorsorglich schrieb ich zwei Decklisten für den Samstag. Die Goblins beließ ich, abgesehen vom SB, wie beim Liga Spieltag. Dagegen entschied ich mich beim Ravager-Affinity für die R/B Variante. Lange Zeit spielte ich "Dark Banishing" über "Shrapnel Blast", was später ziemlich sinnlos schien, da die Vorteile des Blasts einfach nicht von der Hand zu weisen waren. Zudem testete ich noch mit dem Atog, der sich aber viel zu oft als hinderlich entpuppte. Eine ebenfalls wichtige Änderung war die Tooth gegen die "Scale of Chiss-Goria" zu tauschen. Zwar macht man mit den Tooth genau einen Schaden mehr aber im Gegenzug gewinnt die Scale den Enforcer - Enforcer Battle, rettet Frogmite (zumindest einmal) gegen Lightning Rift, läßt den Sharpshooter schon mal auf der Nase liegen usw. Auch die Anzahl von 17 Ländern halte ich für richtig, zumal ich mit Blau im SB den Anti-Control-Plan hatte und zudem beim Testen Mulligans kaum ein Problem darstellten.

In Lichtenstein waren dann 16 Teilnehmer die ihr Deck ein letztes Mal auf die Probe stellen wollten. Insgesamt gab es eine ähnlich vielfältige Deckauswahl wie sie auf den Regionals zu erwarten war. Für mich lief es an dem Abend optimal, so daß ich am Ende mit vier Siegen und 8-0 Spiele noch den Promo "Silver Knight" empfangen durfte. Insbesondere der 2-0 Sieg gegen das Anti-Affinity-LD mit Maindeck vier "Viridian Shaman", drei "Naturalize", vier "Oxidize", vier "Electrostatic Bolt", zwei Schnecken und halt LD war schon etwas erschreckend... Überhaupt kackten die ganzen Maindeck Hate-Affinity-Decks ab, da erstens Affinity eben öfters mal zu schnell ist und zweitens es noch genügend Decks gibt, die keine (oder sehr wenig) Artefakte spielen.
Da der Mirko mit meinem Goblin Deck ebenfalls gut abschnitt gab es dann keinen Grund mehr die Decks zu tauschen.

Nachdem wohl der Thomas Schaatschneider verschlafen hatte, machten wir uns fast pünktlich um 08.15 Uhr dennoch mit 17 Leuten (letztes Jahr glaube ich 12) auf den Weg nach Dresden. Leider konnte der Benni aufgrund von Umzug nicht an seinen fünften Regionals teilnehmen...
Jedenfalls haben wir alle Autos vollrammeln müssen. Bloß gut, daß der Rico Franke endlich seinen Führerschein und ein 11 Jahre altes Auto mit weniger als 25.000 km hat...zumindest für ca. einen Monat noch...schätze ich!
Natürlich war in unserer Gruppe Ravager-Affinity das meistgespielte Deck (6) gefolgt von Goblin Bidding (3) und Ponza (3). Daneben gab es dann noch Elfen, Orb-Mill, Twelve Post, R/G-LD und G/W-Control.

Die Hoffnungskirche in Dresden wurde überraschend schnell gefunden. Obwohl die Örtlichkeit doch etwas beengter war als zum Vorjahr hatte man Tische für 100 Leute vorbereitet. Als wir die ganzen Massen an Spielern sahen wurde uns klar, daß das heute ziemlich viele werden würden. Während überwiegend die Dresdner schon da waren, kamen noch ganze Horden aus Leipzig (natürlich mit allem was Rang und Namen hat) und aus meiner alten Heimat Delitzsch. Letztere hatten sich noch Verstärkung aus S-Anhalt durch Sebastian Gutsch mitgebracht. Nachdem der Martin die stolze Teilnehmerzahl von 99 Leuten und damit 7 Slots zur DM bekannt gab war klar, daß anders als im letzten Jahr ein 5-2-0 nicht für die Top 8 reichen würde. Selbst eine 5-1-1 und schlechter Opponent-Score könnte knapp werden. Immerhin würde ein Spieler das Erstrunden Bye bekommen...
Danach ging es relativ pünktlich los...ja eigentlich kann ich mich nicht daran erinnern, daß die Regionals jemals pünktlicher angefangen hatten.
Wie immer hoffte man zur Einstimmung auf einen einfacheren Gegner aber der DCI-Reporter hatte am gesamten Turniertag anderes mit mir vor. Zumindest konnte der Ricky das Bye abstauben...die Ratte!!


Runde 1 - Robert "Strossus" Weber (Astral Slide)

Logisch das wir beide nicht glücklich waren über die Paarung aber alles klagen half nichts und so begann der Turniertag schon spannend. Würfelwurf gewonnen und ich startete mit "Glimmervoid" plus passenden random Artefaktstart. Während Robert normal sein Spiel aufzog, attackierte ich mutig mit Frogmites und Workern, blieb aber auch auf meinem Erstrunden Land im Spiel und Ravager auf der Hand sitzen. Das zog sich dann einige Runden hin bis der Robert den Tisch mit dem Zorn reinigte. Das Spiel sah dann in etwa so aus: Ich drei Handkarten und null Permanents, er 5-6 Handkarten, sechs Länder, Lightning Rift. Was solls, irgendwann kamen dann drei Länder und ich konnte den Ravager und Disciple auslegen. Mit nunmehr zwei Rifts will er beide durch "Renewed Faith" abschießen auf 13 Leben gehen. Ich halte zwei "Shrapnel Blast" und rechne... Was soll's, 1 Land in den Ravager, 1 Land für einen Blast und den Ravager für sich selbst macht 8 Schaden für ihn und ein einsames "Great Furnace" im Spiel für mich. Muß er sich nur noch Leben geben und das wär's für mich. Kann er aber nicht, dafür kommt der gemorphte Engel. Mein Zug und eigentlich brauche ich nur ein Land ziehen... tatsächlich wie auf Bestellung und der "Shrapnel Blast" an seinen Kopf...
Zweites Spiel verläuft dann unspektakulärer, da der Robert Länder über Länder zieht...
1-0-0, 2-0

Runde 2 - Sebastian Gebauer (Goblin Bidding)

War ja zu erwarten, daß es irgendwann auch gegen die eigenen Leute gehen würde. Allerdings mußte es ja nicht gleich der Sebastian sein, den ich doch für einen der besseren Spieler halte (Hoffe das steigt ihm nicht zu Kopf!).
Naja, 1. Spiel gerate ich schnell in Rückstand, da kein vernünftiges Removal die Sharpshooter entsorgt. Muß ich halt anfangen zu nörgeln, daß der SebGeb mir meine Top 8 Chancen zu Nichte macht. Hat auch dann geholfen... Die beiden nachfolgende Spiele kann ich für mich entscheiden, wobei ich glaube, daß wohl das Zweite relativ eindeutig war und er im Dritten leichte Manaprobleme hatte. Ganz genau kann ich mich leider nicht mehr erinnern aber insgesamt ein typischer Matchausgang, gleichwertige Decks mit dem besseren Ende für Affinity.
2-0-0, 4-1

Runde 3 - Roy Meyer (Astral Slide)

Durch ausreichendes Testen hatte ich mich an Astral Slides als Gegner gewöhnt und so schlecht wie von vielen behauptet war das Matchup insbesondere Dank "Stabilizer" aus dem SB nicht.
Jedenfalls stellte sich durch zögerliches Fragen seinerseits heraus, daß wir uns schon aus der "Heldenwelt" kannten. Auf den Delitzscher Bonus konnte ich dennoch keine Rücksicht nehmen... 1. Spiel gewinne ich mit doppelten "Skullclamp" bei 20 Leben meinerseits und Spiel 2 zeige ich den Viertrunden-Kill begünstigt durch das fehlende Land in seiner dritten Runde.
3-0-0, 6-1

Nach drei Runden sah es für die Chemnitzer recht gut aus, da drei weitere Affinity Leute 3-0 standen. Einige merkwürdige Paarungen und Spiele gab es dabei schon. So verpaßte unser Hendrik (Ravager-Affinity) dem Stefan Heumann (Elfen!!) bereits im entscheidenden dritten Spiel durch 4!! ziemlich zeitnah aufeinanderfolgende "Pyroclasm" eine ungünstige Niederlage in Runde 1. Der nahezu unbekannte Beobachter Mario Zemke meinte nur kopfschüttelnd dazu, daß einige Decks ziemlich verwunderliche Wege gehen. Das dachten sich die übrigen staunenden Beobachter sicher auch...
Noch besser war wohl die Chemnitzer Begegnung von Thomas Winkler und Jürgen Stephan. Bei einer sicheren Niederlage geht der Thomas durch das Ausspielen des Disciple einfach mal auf Dummfang und tatsächlich weigert sich der Jürgen in den nächsten Runden den 1/1 mit seinem Sharpshooter zu entsorgen. Warum auch?? Kann der was?? Jedenfalls bestand das restliche Spiel aus jeder Menge bizarrer Handlungen, so daß der Steffen Feja schon mal weissagte, daß der nächste Sachsenmeister nicht aus dieser Paarung kommen würde...

Runde 4 - Friedemann Uschner (U/W)

Diesen Gegner kannte ich nun gar nicht. Ich konnte mich nur noch schwach erinnern, daß der Friedemann U/W bereits auf den Dresden Open immer so an den vorderen Tischen gespielt hatte. Man konnte also davon ausgehen, daß er sein Deck beherrschte. Wie das so gegen U/W ist kann ich nur mein Heil in der Flucht nach vorn suchen. Das klappt halt so lange bis der "Zorn Gottes" kommt. Wenn man danach keine Argumente hat sollte es vorbei sein. Laut meinen Mitschriften hatte ich ihn dann auch schon bei 10 Leben wo er anfängt diese aufzustocken. Ein Engel seinerseits sollte mir den Rest geben. Das konnte ich gerade noch durch "Shrapnel Blast" abwenden. Übernimmt halt der Drache den Part den Finishers. Meine kleinen Critter versuchen dagegen zu halten, was doch aussichtslos erscheint. Bei 1 Leben auf meiner Seite entsorge ich mit erneutem Blast seinen Drachen. Den will er auch nicht gleich wieder holen sondern läßt mich statt dessen weiter mühselig zappeln. Und als ich schon fast nicht mehr an den Sieg glaube, da spielt der doch die Rache, wenn man sie eigentlich nicht spielen sollte...
Da war er über den eigenen Fehler doch ziemlich geschockt. Leider nur kurzzeitig, den das zweite Spiel kann er unter Hilfe von "Damping Matrix" schnell gewinnen. Im dritten Spiel läuft alles wie gewünscht. Zwar kommt seinerseits die Matrix ins Spiel aber der Zorn in Runde 4 fehlt. Somit geht er auf 4 Leben. Nach einigem Überlegen kommt dann eine Runde später doch der "Zorn Gottes". Leider hatte ich kein geboardetes Mana Leak parat. Er fragt mich im Angesicht der sicheren Niederlage nach "Shrapnel Blast"... Ja, hatte ich auch nicht... Mein Zug und mit Willenskraft wünsche ich mir den Blast... nun gut, da ist ja das Mana Leak!! Danach gehen seine Lebenspunkte wieder bis auf 16 und wir gehen ins Draw-Go über. Er zieht nur Länder und ich halt Länder mit der kompletten Batterie an "Welding Jar". Ein bißchen Manabrand für mich um wenigstens das Lifegain aufzuhalten aber mehr wird nicht mehr. War zumindest mal ein Spiel was zeigt, wie nah Glück und Pech beieinander liegen.
3-1-0, 7-3

Nach der Runde stand von uns überraschend nur noch der Erik Ramm ohne Niederlage da.

Runde 5 - Knut Leuschner (R/g Goblins)

Ab jetzt sollte also jedes Match ein Endspiel sein. Die Gegner wurden auch nicht einfacher und so wünschten wir uns halt ein ordentliches Spiel. Anders als die meisten spielte der Knut ohne Bidding, dafür mit Caller. Allerdings war der nicht mein Hauptproblem sondern Sharpshooter, Sparksmith und nicht zu vergessen der Clickslitter, der mit ein paar Goblins auch mal locker über den Ravager trampeln konnte. Auch an dieses Match kann ich mich nur noch schwer erinnern. Aber auch das war arschknapp und hier war ich zum ersten mal mehr als dankbar über die Scales und, daß das doppelten "Naturalize" kein "Oxidize" war...
4-1-0, 9-4

Runde 6 - Andreas Sagner (Twelve Post)

Während wir beide Platz nahmen mußte ich erstmal den Erik Ramm und der Norman Hänel, zurechtstutzen, daß ein Draw beim Stand von 5-1-0 fär beide äußerst ungünstig sein könnte. Lieber sollte sich ein Chemnitzer sicher in die Top 8 spielen als das Unternehmen "Taube auf dem Dach" anzugehen. Irgendwann haben sie es dann wohl eingesehen...
Obwohl ich gegen den Andreas nicht das erste mal spielte, bemerkte ich, daß er ziemlich mit den Karten zitterte. Später darauf angesprochen bekundete er, daß sei immer so. Gut, hatte ich anders in Erinnerung... Sein Deck selber kannte ich vorher nicht. Das kommt davon, wenn man sich keine Blockdecks im Internet anschaut.
Jedenfalls hielt ich auch hier Angriff für die beste Verteidigung. So schnell war mein Start dann doch nicht aber immerhin war er schon bei 16 als er die notwendigen neun Mana für "Tooth an Nail" zusammen hatte. Aha, er holt sich den "Platinum Angel" und den "Leonin Abunas" aus der BiBo um letzteren und Akroma zu legen. Also schenkt er mir eine Runde Zeit ihn zu töten. Also Angriff mit zwei Frogmite, Ravager und Disciple. Die Frogmites bleiben ungeblockt. Ich rechne und komme auf 15 Schaden...
Da seine Sprüche eh alle teuer sind steige ich auf Blau um und nehme die "Mana Leak" ins Deck.
Spiel 2 kommt mir die glorreiche Idee meinen Frogmite mit Hilfe des Ravager+Skullclamp zu einer 5/3 Kampfmaschine zu machen, damit seine Mana-Mauer zu entsorgen um dann mit doppel Counterbackup durchzustarten.
Im entscheidenden Spiel komme ich wieder mal sehr langsam aus den Startlöchern und kann nur minimalen Schaden machen. Andreas legt diverse Blocker samt "Leonin Abunas" in den Weg. Irgendwann kann ich diese durch "Shrapnel Blast" und geopferten "Arcbound Worker" mit drei +1/+1 Marken, die wiederum auf einen Enforcer übergehen, entsorgen. "Skullclamp" nützt wegen der Matrix im Spiel gar nichts. Jedenfalls hat er ein Haufen Mana und spricht damit "Decree of Justice". Irgendwie verstehe ich Engel und frage nach. Ja, Engel hat er gesagt. Schau ich meine Hand an und sehe das fast verstaubte "Mana Leak". Der Rest ging dann glücklich für mich aus, da Andreas weitere Länder nachzog.
5-1-0, 11-5

Runde 7 - Stefan Heumann (Elfen)

Nun befürchtete ich, daß der Stefan aufgrund seiner Niederlage in der 1. Runde spielen wollte. Auch wenn mein Deck nun deutlich besser gegen seine Elfen war als noch zu den DD Open, war das Matchup eher ungünstig. Am Tisch angekommen reichte mir der Stefan dann aber gleich die Hand und die Top 8 waren geschafft. Begünstigt war das ganze noch, da der Erstplatzierte nach Swiss keinen Slot zur DM wollte und deshalb droppte.
5-1-1, 11-5

Für die größte Überraschung bis dahin sorgte allerdings der Erik Ramm, der bei seinen ersten Regionals gleich die Top 8 schaffte. Damit hatten wir schon unser Ziel erreicht. Blieb nur die Frage, was würde seine Eltern sagen, wenn er zu der DM fahren will? So weit war es ja noch nicht, da immerhin "nur" sieben freie Slots gab. Leider hatte der Felix Beulig als dritter Chemnitzer die Top 8 nur knapp verpaßt.

Die Magichoheit der Leipziger zeigte sich erneut, die immerhin fünf aus ihren Reihen plazieren konnten. Dagegen hielt nur der Frank Morgenstern die Fahne der Dresdner hoch. Neben den zwei Favoriten Stefan Heumann und Sebastian Richter konnte sich Top 8 Dauerparker und amtierende Sachsenmeister Valentin Schneider qualifizieren. Ebenso ist der Daniel D. Dietze kein unbekannter Spieler, der zu dem Zeitpunkt wohl den Preis für das originellste Deck verdient hätte. Welcher kranke Leipziger, dessen Namen man mit vier Buchstaben abkürzen kann, hat sich das wohl ausgedacht? Einzige unbekannte Größe war der Marcel Lindner, dem ich wenigstens in der letzten Runde beim Spiel gegen unseren eigenen Mann zusehen konnte.

Viertelfinale - Frank Morgenstern (Ravager-Affinity)

Tatsächlich mal ein Affinity als Gegner, was meine Chance zumindest auf 50% steigerte. Auch gegen Frank hatte ich schon öfters gespielt und empfand ihn immer als angenehmen Gegner. Spiel 1 war ein ganz normaler Artefaktaustausch mit dem bessern Ende für ihn. Spiel 2 lief dann für mich so wie Affinity laufen sollte.
Im dritten Spiel legten wir beide normal los. Mitte des Spieles konnte er sich eine bessere Boardposition insbesondere durch den Ravager verschaffen. Zwar legte ich auf meiner Seite den Disciple aber aufgrund der Kreaturenübermacht blieben mir nicht viele Züge. Neben dem Disciple sorgte hier die "Scale of Chiss-Goria" für die überraschende Wende im Spiel und der Slot zur DM war eingefahren.

Leider hatte der Erik Ramm mit seiner U/B Variante des Ravagers mit den Elfen von Stefan Heumann ein Auto-Loss erhalten. Und was macht der verrückte Kerl? Er gewinnt auch noch. Keine Ahnung wie er das gemacht hat aber irgendwie war diesmal alles anders.

Halbfinale - Erik Ramm (Ravager-Affinity)

Naja, das war immer noch besser als gegen "March of the Machines" zu spielen. So gestaltete sich ein LE-LE und ein C-C Halbfinale. Logischerweise sollte in diesem Jahr also ein Chemnitzer zumindest Vizemeister werden.
Um ehrlich zu sein waren das keine drei schönen Spiele, weil ich mich ständig fragen mußte, wer nun wirklich der abgezocktere Spieler am Tisch war. Jedesmal legte der Erik in Runde 1 mind. vier Artefakte, während ich ständig zu kämpfen hatte überhaupt was auf den Tisch zu bekommen.
Wie so oft an dem Tag blieb ich mit einem Land im Spiel sitzen. Was soll der Erik tun als auf mich einzuprügeln. Trotz Flieger, Enforcer und Disciple kann ich mich bei 1 Leben dank meiner Removal stabilisieren. Natürlich zieht er Disciple von oben. Wie bekomme ich den weg? Natürlich nur mir "Shrapnel Blast" oder "Pyrit Spellbomb". Schönen Dank auch... Spiel 2 darf ich auch mal mitspielen und drehe mal den Spieß um.
Zum dritten mal in dem Halbfinale fängt der Erik mit Doppel Ornithopter an und ich glaube langsam an eine Begegnung mit der Dritten Art. Keine Ahnung was da genau passiert ist aber wir tauschen Artefakte ab und er hat wieder Kreaturenhoheit. Neben den Disciple und den nunmehr drei Ornithoptern sowie 20.000 Artefakten gesellt sich noch der Ravager. Ich verzweifle und will das Handtuch werfen. Dann besinne ich mich und laß es über mich hereinbrachen. Ja was eigentlich? Erik greift an mit einem Ornithopter, wir verlieren ein paar Leben und er opfert den Ravager in den Ornithopter. "Hä?", frage ich mich und shattere den Angreifer. Keine Ahnung was ich noch für tolle Stunts machen sollte aber irgendwie dachte Erik, bevor alles schief geht, geht er lieber den sichern Weg. Ja, das ist ihm gelungen. Im meinem Zug ziehe ich endlich den ersehnten Ravager und das Spiel ist gelaufen.

Finale - Sebastian Richter (Goblin Bidding)

Wow, ich im Finale und dazu noch gegen den legendären RSR. Zumindest wohl der einzige Leipziger, gegen den ich noch nie gespielt hatte. Mit Goblins ein eher besseres Matchup auf dem Papier. Aber wo ich mir seine Deckliste ansehe fallen natürlich die Maindeck "Dark Banishing" auf. Ähm ja, kann man so spielen...
Obwohl ich bisher kein Finale der Sachsenmeisterschaft gesehen hatte behaupte ich mal, daß dieses nichts für schwache Nerven war. Zumindest meine waren ganz schön am Boden. Ich glaube auch der Sebastian hatte ebenfalls etwas zu kämpfen.
Spiel 1 läuft eigentlich fast so wie ich es wünsche. Er bleibt nachdem ich einen Warchief mit Spellbomb entsorgt habe auf zwei Ländern sitzen. Die eine Messingstadt tut ihr Übriges. Richtig viel Schaden mache ich von meiner Seite nicht. Mittlerweile hat er seine dritten Warchief sowie zwei Sharpshooter im Spiel. Feige wie ich bin halte ich meine zwei Enforcer als Blocker zurück. Zumindest konnte ich den Zuschauern einige Lacher entlocken als die spontanen Scales meinen Disciple kurzzeitig vor den Sharpshootern rettete, die dann ziemlich dumm auf der Flinte lagen. Irgendwann ist er bei vier Ländern und ich weiß, daß er das Bidding auf der Hand hat. Hinzu kommt, daß er auf zwei Leben ist. Ich halte den zweiten Disciple auf der Hand zurück anstatt ihn mit dem "Welding Jar" auf 1 Leben zu bringen. Klar hatte ich die Messingstadt verpeilt. Aber egal, an dem Tisch war ich halt der Scrub.
Zum Glück blieb mein Fehler ca. 20.000 Runden ungestraft, da das fünfte Land nicht kam.
Spiel 2 hielt ich eine mäßige Hand mit lediglich zwei "Arcbound Worker". Gegen die Goblins feat. Sharpshooter machten die aber nicht wirklich viel. Allerdings hatte ich sowas wie Spellbomb und drei Blasts. Dieses ging dann auch fast vollständig für die Goblins drauf. Einen Blast hielt ich auf der Hand, da der Sebastian mittlerweile einen "Sparksmith" gelegt hatte. Aber irgendwie war das schon ziemlich einfältig zu denken, daß er den aktivieren würde. Spiel 3 war an und für sich ein kurzes Spiel. Allerdings brauchte ich auch ca. 20.000 Minuten für meinen Zug. Für die Umstehenden sicher nicht so schön aber nach neun gespielten Magicrunden war im Kopf addieren nicht mehr meine Stärke. In der dritten Runde von Sebastian hatte er sich für Warchief ausgetappt und mit "Goblin Sledder", "Dwarven Blastminer" und eben Warchief angegriffen.
In meinem darauffolgenden vierten Zug hatte ich im Spiel einen "Arcbound Worker", "Arcbound Ravager" und "Disciple of the Vault" sowie drei Artefaktländer. Ich konnte noch ein Artefaktland legen und eine "Pyrit Spellbomb". Sebastian war auf 17 Leben. Nun ging die große Rechnerei los. Klar war, daß nächste Runde sicher etwas noch größeres auf seiner Seite kommen würde und ich entweder defensiv die Spellbomb auf den Warchief haue oder "Alles oder nichts" spiele. Also gerechnet hatte ich wie ein Weltmeister aber ständig drängelte sich zwischen der Summe 17 eine 16 rein. Ein ungeblockter Angriff konnte erstmal nicht Schaden. Dann fing ich irgendwann zögerlich an Artefakte zu opfern. Zwischendurch bemerkte ich, daß er die zwei Goblins ja noch für ein Shatter opfern konnte. Da hatten es die Zuschauer besser, denn sie wußten was der RSR auf der Hand hatte. Irgendwann zog ich dann die ganze Geschichte durch und wahrscheinlich war ich dann der erste Spieler, der die Sachsenmeisterschaft mit lediglich einer 1/1 Permanent im Spiel gewonnen hat...
Der Sebastian sagte dann in Bezug auf seinen vorherigen Angriff: "Ich habe auch nur geschätzt, daß es nicht reichen würde!"

Logisch, daß ich diesen Erfolg dem ganzen Klub Felsenburg Chemnitz widme! Immerhin haben wir alle gemeinsam darauf hingearbeitet und ohne die Unterstützung meiner Mitstreiter wäre dieser Titel nie möglich geworden.

Vielleicht halten es auch einige für albern aber gerade da Siege bei Magic oftmals nur Momentaufnahmen sind möchte ich an dieser Stelle ein paar Dankeschön loswerden. Wenn nicht als Sachsenmeister wann denn dann?

Natürlich muß man sich zuerst bei Steffen und Martin (zudem alle Hintermänner und -frauen) bedanken, für die tolle Organisation und Durchführung des Turniers. Damit sind auch all die anderen Turniere mit eingeschlossen, die regelmäßig in Dresden stattfinden. Denke das ist der Hauptgrund, daß man in Sachsen überhaupt von Turnierszene sprechen darf. Lohn der Mühe ist nicht zuletzt die Hohe Teilnehmerzahl...

Ebenso kann man sich bei allen namhaften sächsischen Spielern bedanken, die es geschafft haben über die Freistaatgrenzen hinaus (z.B. bei Dt. Meisterschaften od. GP's) Achtungserfolge zu erringen. Durch sie ist Sachsen mit Sicherheit kein schwarzer Fleck in Magic-Deutschland. Beispielhaft greife ich hier einfach mal das Leipziger Bundesliga-Team heraus.

Dann aber einen besonders großen Dank an den Udo, der sich als Klubleiter ständig für die Chemnitzer Magicszene "aufgerieben" hat. Auch wenn die vielen Kleinigkeiten oftmals von den Spielern nicht anerkannt bzw. gesehen werden, so ist eins klar: Wenn ich aufhöre geht der Klub weiter, wenn das Udo macht, sieht es finster aus!!

Weiterhin geht der Dank natürlich an meine Klubfreunde, die mich die letzten Jahre begleitet haben. Da sind auch die mit eingeschlossen, die inzwischen mit Magic abgeschlossen haben. Ich bin froh, daß wir vor allem im letzten Jahr regen Zuwachs auf unseren eigenen Turnieren verzeichnen konnten und das vor großen Turnieren ein ausgiebiges Testen nunmehr möglich ist.

Was mir auch wichtig erscheint, ist einen Dank an den Michael Siedentopf zu senden, der regelmäßig mit netten, innovativen Artikeln auf Reya überrascht. So etwas gehört einfach zu Magic dazu.

Als letztes natürlich noch ein Dankeschön an Ronny Braun aus der "Heldenwelt", der mich damals mit dem Magicvirus angesteckt hat...

Das war's nun aber wirklich... Der Bericht ist doch ein wenig umfangreicher geworden als ich mir das vorgestellt hatte. Aber wer weiß, ob da jemals noch einer dazu kommt...


PS: Ach ja...für alle, die den Bericht bis zum Ende auf Reya gelesen haben, bitte mal jetzt eine helle Webseite öffnen!! Wenn alles richtig gelaufen ist, dürftet ihr noch immer weißen Text auf schwarzen Untergrund sehen...

Falko Sacher, 09. März 2004