Reya Dawnbringer

Magic: the Gathering in Dresden und Umgebung

Leipziger Allerlei Part IX

He Ihr,

diesmal war die Themensuche recht einfach, schließlich stand die Sachsenmeisterschaft ins Haus. Viel Spaß mit einem kleinen Rücklblick.

Unvermeidliche Details

Es war ein wunderschöner, sonniger Tag, jener 8. März, an dem deutschlandweit die Regionalen Meisterschaften ausgespielt wurden. Die Sachsen trafen sich in ihrer Landeshauptstadt Dresden, um den zweitbesten - da der El Mario Zemke ja schon traditionell als Nr.1 angesehen werden muss - unter ihnen zu ermitteln.
Die "alte Mensa" war dann auch gar nicht so baufällig, wie man es nach der Namensgebung vermuten könnte (obwohl ein Zivi im Garten noch einiges rausholen könnte), sondern verglichen mit der Leipziger durchaus angenehm. Allerdings wöre auch eine Dönerbude schöner als die Leipziger Mensa.
Genau 70 Spieler hatten sich eingefunden, doch zwei namhafte Dresdner waren nicht dabei. Martin Grimm und Sebastian Grond hatten in der vorangegangenen Nacht offenbar eine Testphase (für was auch immer) zuviel geschoben und es nicht mehr aus den Betten geschafft. Schade, da beide eigentlich zu den Favoriten gezählt werden mussten.
Trotz dessen war das Turnier durchaus ordentlich besetzt und es zeigte sich auch während der Runden, dass der Großteil der Spieler zumindest fähig war, auf den wichtigen Internetseiten ein Deck nachzulesen und dementsprechend mit einem konkurrenzfähigem Haufen zu erscheinen. Da einige Decks momentan nicht soooo spielerisch anspruchsvoll sind, konnte man recht schnell und einfach auch so anständige Ergebnisse erzielen.
Organisiert und gejudgt wurde das Ganze von Steffen Feja und Martin Golm, die einen ziemlich anständigen Job machten, was gerade bei den sächsischen Landesmeisterschaften eigentlich oft ziemlich anstrengend ist. Seltsam, ansonsten sind hier Turnier - selbst in PTQ-Format - noch sehr freundlich & kameradschaftlich.

Das Metagame

Wir Sachsen sind halt tierfreundliche Menschen. Dementsprechend wurde das Turnier auch von allen Arten Getiers beherrscht. Allen voran die guten, alten Biester. Mit G/W, meist mit einem Splash Rot für die Cliffs, wurde ein Deck ins Feld geführt, was relativ leicht zu spielen ist und ziemlich gute Matchups gegen die anderen, erwarteten Kreaturendecks hat. Dank Flashbackkarten wie Call oder Beast Attack konnte sogar der Kampf mit dem Atog aufgenommen werden. Lediglich Wake war ein furchtbares Matchup (aber bis auf den S.Grond spielt das eh keiner in Sachsen). Slide war zumindest im ersten Spiel problematisch, wurde jedoch nach dem Boarden deutlich besser.
Hier vielleicht einmal die Leipziger Version, mit der Colin Kuntzsch und Stefan Heumann die Final8 erreichten:

Im Sideboard finden sich halt die üblichen Verdächtigen wie Genesis, Glory, Hero, Tracer & Vigilante & Cliffs.

Neben diesem Deck wurde hauptsächlich U/G, Atog und Slide gespielt. Die Versionen waren eigentlich recht standardmäßig, im Gegensatz zu den MBCs, die man antreffen konnte. Diese verfügten zwar immer noch über das gleiche Removalpotential wie frühere Versionen (wenn nicht sogar mehr), besetzten die restlichen Plätze jedoch mit Kreaturen der Marke Withered Wetch, Muse, Bane & Shade.
Dies zeigte sich in dem Metagame als durchaus gute Deckwahl, da man erst mal alle Tiere des Gegners eliminieren konnte (wobei der Wetch dafür sorgte, dass die grünen Tokenmaschinen nicht zum Einsatz kommen), um dann über die Muse einen nicht mehr wegzumachenden Kartenvorteil zu erzeugen.
Trotzdem war keines dieser Decks wirklich erfolgreich. Zum einen, weil halt jeder nicht G/W oder G/U Spieler schon arge Probleme bereitete und zum anderen, weil selbst die grünen Decks nach dem Sideboarden mit Compost und Zentauren ziemlich unangenehme Geschütze auffahren konnten. Hier jedoch mal die Deckliste eines solchen Haufens:

Der Rest des Feldes wurde dann durch Randerscheinungen vervollständigt. G/R (meist in der Chicken-Variante mit dem kompletten Madness-Programm bis hin zum Temper und genau 4 Mongrels als Discard-Option), Mobilization-Wake (u.a. von Top4-Spieler Eric Winkler), Wizards, Die Vögel (spotting the cruel 0/2 Vogel) usw.

Die Gewinner

Neuer Sachsenmeister ist Valentin Schneider aus Leipzig.
Glückwünsche zunächst ganz offiziell zu diesem großartigen Erfolg, der Valentin wohl ziemlich viel bedeuten sollte, da es das erste regionale Ausrufezeichen ist, das er setzen konnte. Als einer der seinen Weg in den letzten Jahren verfolgen konnte, kann ich mit Sicherheit verkünden, dass es wohl nicht der einzigste bleiben wird.
Valentin, amtierender Zweiter der Leipziger Liga, spielte ein ziemlich standardmäßiges U/G-Madness Deck mit Aether Bursts Maindeck. Neben seinem natürlichen Talent (a.k.a. solide Drawskills ;-)) überzeugte er gerade auch im Halbfinale durch sehr geschicktes Spiel und konnte so beweisen, dass die Zeit, wo er immer nur als "das kleine (durchaus berechtigt, bei geschätzten 1,72m), glückliche Kind" bezeichnet wurde, vorbei ist.
Den Vizemeistertitel konnte sich Andreas Sagner, ebenfalls Leipzig, sichern, der schon vor einigen Jahren die Quali zur DM geschafft hatte. Der Andy hatte ein Squirrel-Opposition Deck dabei (na ja mehr oder weniger dabei... am Abend davor hatte er es zumindest schon auf Papier ;-) das ist echte Vorbereitung!). Im Gegensatz zu den jetzt in Mode gekommenen dreifarbigen Canu-Versionen verzichtete er auf das Risiko der bescheidenen Manabase, zumal in einer Kreaturenumgebung einige der so entfallenden schwarzen Sprüche durchaus verschmerzt werden können. Stattdessen wurden Maindeck Static Orbs ausgepackt. Fürs Sideboard hatte er sich etwas ganz Ausgefuchstes überlegt. Da Opposition ja traditionell furchtbar aussieht, wenn die Enchantment-Hate bzw. der gute alte Centaur ausgepackt werden, wollte er sich die Möglichkeit offen halten, die Enchantmentschiene rauszuboarden. Beim Testen zeigten sich dann Probleme mit einzelnen Kreaturen (wie z.B. dem etwas gut geratenen Engel), die ohne die Verzauberung halt nicht mehr gehandelt werden konnten. (Wer jetzt aufmerksam gelesen hat, dem müsste jetzt ein Fehler auffallen... Wie gesagt, wurde dieses Deck nie getestet. Beim FNM sah der Andy halt den G/W Spielern zu und fragte sich laut, was er eigentlich gegen den Engel ohne Oppo macht... Nicht viel.) Die zwei Möglichkeiten, die ins Spiel gebracht wurden, waren dann Wunder und die neue Krabbe. Da Wunder ja langweilig ist, entschied er sich für die Krabbe, die auch ganze Spiele sofort alleine gewann. (z.B. gegen G/W, als sie einen Intrepid Hero klaute...).
Die Plätze 3 und 4 belegten Falko Sacher (Chemnitz) mit G/W-Beasts und Eric Winkler (Dresden) mit Mobilization-Wake. Leider kann ich zu diesen beiden nicht allzu viel schreiben, da ich nichts genaueres über sie oder ihre Decks weiß und zu der Zeit, wo die Finals ausgespielt wurden gerade Dresdner Eislaufhallen testete... ;-)
Den fünften und letzten Platz zur Qualifikation sicherte sich übrigens Colin Kuntzsch, was zu einer durchaus ansehnlichen Bilanz der Leipziger Spieler führte. Drei aus Fünf.

Stiller Abschied

Lange hatte es sich angekündigt, doch nun ist es Gewissheit. Einer der größten sächsischen Spieler (in jeder Hinsicht ;-)) hat am 8. März sein vielleicht letztes Turnier gespielt.
Noch ein letztes Mal nahm der RSR - Sebastian Richter - den grinsenden Atog in die Hände (etwas geschockt darüber, wie viel schlechter Concentrate im Gegensatz zu FoF eigentlich ist ;-)). Nach seiner "großen" Zeit mit PT-Quali, sehr soliden Nationals Auftritten usw. war er in ein Motivationsloch gefallen, was durch die ziemlich intensive Ausprägung von schwachen Draws, schlechten Matchups usw. nicht unbedingt wieder zugekittet werden konnte.
Für alle die jetzt nicht verstehen, warum ich das hier alles erwähne, möchte ich hervorheben, dass Sebastian einer der sportlichsten Spieler war, die ich kenne (Unvergessen wie er einem jungen Spieler während eines FNMs solange Fact or Fictions erklärte (und die Haufen stapelte), bis er deswegen das Spiel ein wenig aus der Hand gegeben hatte...), und zu dem noch ein ziemlich unterhaltsamer Zeitgenosse bei allen Testrunden (wenn auch da oft unfreiwillig...) und Turnieren. Ein letztes Mal noch zeigte er sein Potential (z.B. als er ein Spiel gegen Future Sight und ohne Win Condition nach Echos noch über die Zeit brachte) um sich anderen Dingen zu widmen.
Jetzt sind die Decks ausgehüllt und die Karten zur Versteigerung freigegeben. Wie die Zeit vergeht...

Meine Sachsenmeisterschaft

Dies wird ganz sicher ein etwas knapperer Abschnitt, da ich am liebsten ganz schweigen würde...
Regionals zählen ja bekanntlich nicht zu meinen stärksten oder glücklichsten Turnieren (siehe das 16 Protection-Black-Kreaturen Themendeck letztes Jahr gegen mein Monoschwarz) und dieses Jahr war ganz sicher keine Ausnahme. Die Testrunden beschränkten sich hauptsächlich auf meinen alten Freund, die Hülle. Doch an die hunderttausend Testversionen des Caller/Succession-Haufens konnte ich das sicherlich vorhandene Potential immer noch nicht in ein konstantes Deck ummünzen und gab es zunächst mal auf. (zumindest vorerst...;-)) Ein wenig lustlos stöberte ich also durch all die schönen Netzdecks und fand auch prompt eins, was mir zusagte: Reanimator.
Nicht nur, dass es die guten Matchups gegen all die Decks hatte, die ich erwartete, es machte auch einfach einen Heidenspaß einmal Arcanis, den alten Omnipotenten am Laufen zu haben...
Das Deck spielte sich erstaunlich gut, auch in Matchups, die von anderen als mäßig angesehen wurden (z.B. Slide).
Nun gut. Ein paar Stunden und Runden später war ich schlauer. Bis heute weiß ich nicht so recht, was eigentlich schiefgelaufen ist. Ich verhaute Slide und Doppel Atog. Und verlor gegen das einzige Wake (ziemlich mäßiges Matchup), Sachsenmeister-Biester (da kämpfte ich übrigens gerade parallel mit außergewöhnlich nach Wiese schmeckendem Schafgarbe-Tee gegen meinen Magen an. Ich würde sagen, wir einigten uns auf ein Draw ;-)) und Vizesachsenmeister-R/G. Letzteres war dann voller Metaphern, die das gesamte Turnier wiederspiegelten, dass ich ganz schnell Richtung Eissporthalle verschwand. Wenigstens fühlte ich mich im El bestätigt, der 3 Spiele in Folge Buried Alive, Animier Nishoba, Animier Arcanis hinbekam... und nicht so richtig verstand, wie ich gerade verloren hatte...
Ich glaube, ich lasse mich doch einfach mal dazu hinreißen auf den Offenen irgendwas "Normales" wie R/G oder Atog zu spielen. Mal sehn.

Themawechsel

Kurz vor den Regionals fand ja auch noch ein kleiner Trial für den GP-Prag, ebenfalls in Dresden statt. Bei nur 17 Teilnehmern war es relativ einfach unter die besten 8 zu kommen. (Das schafften dann auch solch künftige Sachsenstars wie Colin Kuntzsch und Valentin Schneider.)
Dass es einer nicht schaffen würde, war eigentlich schon vor der ersten Runde klar: Das Chicken erhielt den von mir geöffneten Packen, der...nun ja...nichts...enthielt. ;-)
Für mich selbst...nun...also ich bekam ein völlig schwachsinniges Deck zusammen. Das komplette Rote Removal hoch bis zum Slice & Dice, dazu die rote Muse. Am Anfang hatte ich ein paar gute grüne Tiere, Vegetation, Cycle Länder & Coliseum für die Manastabilität, sowie Echo Tracer als Splash.
Ach ja, den neuen Morphdrachen hatte ich auch. Leider konnte ich in meinem ersten Spiel, wo ich diesen ummorphte keinen weiteren Drachen suchen. Dies sagte ich zumindest meinem schüchtern grinsenden Gegner. Danach legte ich halt den Quicksilver Dragon mit den Worten "hatte ihn schon auf der Hand, sorry"...
Wenigstens konnte ich so ziemlich schnell mit drawen anfangen und live Fußball schauen.
Der Finaldraft lief dann eigentlich ganz gut, auch wenn mein Vordermann zunächst Doppel-Undorak passte, um dann doch in Grün zu gehen. Dazu kam noch solides schwarz. Das solide relativierte sich halt schon im Viertelfinale gegen Paul Wache. Dieser hatte das Zombie.dec gedraftet. Mit 2x Husk, Revival & Bane. Das Problem an diesem Spiel war, dass er mit den Revivals meine Biester gut handeln konnte, während meins bei ihm fast nix weg bekam. Außerdem hatte er halt den einen Murkdiver, den ich mit so gar nichts tot machen konnte. Habe tapfer gekämpft, aber es sollte halt nicht sein.
Am Ende kam dann heraus, dass wir die einzigsten beiden Schwarz-Drafter des ganzen Tisches gewesen waren und eigentlich die beiden einzigen mit guten Haufen. Leider wurden in meiner Nähe keine guten schwarzen Karten (z.B. Skinthinner mit drei Nicht-Schwarzen vor mir) geöffnet. Na ja, dafür kämpften dann in einem Halbfinale das U/R-Unblockbar-Themendeck (featuring den Unblockbar-Allstarz: Crafty Pathmage, Cephalid Pathmage, Covert Operative & Graxiplon) gegen G/W ohne alles...

Kostenlose Weisheit zum Schluss

"Ich habe wohl zuwenig Blut" Valentin Schneider.

(Bei einem FNM versorgte unser Veranstalter Frank Werner uns mit leckerem Selbstgebrauten. Dieser war a) lecker und b) ziemlich stark. Wie schon beschrieben ist der Valentin nicht unbedingt ein Bär...)

In diesem Sinne noch mal Glückwünsche an alle die zufrieden mit ihrer Regionals-Leistung waren und mehr Glück an alle, denen es nicht so geht.

Macht's gut
Der MiDi ;-)

Michael Diezel, 13. März 2003