Reya Dawnbringer

Magic: the Gathering in Dresden und Umgebung

Regionals 2002 - Kein Döner

Viel Zeit ist vergangen seit der letzten Deutschen Meisterschaft, die am Ende von D.Zink gewonnen wurde und auf der Mario Zemke endlich auch außerhalb Sachsens bekannt wurde. Eine Menge ist passiert in der Zwischenzeit: Der Karl hat ein paar ProTours und Grand Prix gewonnen, Britney ist nun auch auf der Leinwand zu bewundern und der Döner kostet jetzt statt 4,-DM 2,50E... Doch auch andere Dinge haben sich in Hinblick auf die Qualifikation zur DM geändert. Statt der vielen kleinen DMQs in irgendwelchen Städtchen, Dörfern und Dörfchen, wo oftmals nur 8 Spieler zusammenkamen, weil noch schnell jemanden das Spiel erklärt wurde, stand jetzt schön nach Bundesländern geordnet ein einziges großes Turnier auf dem Programm. Ich möchte jetzt nicht wieder über Pro & Contra diskutieren, das haben schon genug andere getan, Fakt ist für Sachsen jedenfalls, dass es deutlich schwieriger werden sollte zur DM zu kommen, einfach weil die Quantität der Spieler ziemlich gering ist, dafür die Qualität ganz ordentlich. (Letztes Jahr spielte Sachsen mit Sachsen-Anhalt zusammen um 8 Plätze, wovon 7,5 an Sachsen gingen!) Wir rechneten mit ziemlich genau den 64 Spielern, die für 4 Plätze nötig waren. Dass am Ende leider nur 58 den Weg nach Bernsdorf gefunden hatten, hatte wohl verschiedene Gründe. Keine Bahnanbindung war sicherlich einer davon. Ich will bestimmt auch hier nicht wieder auf ausgekauten Dingen rumkauen, es ist halt schade, dass einige wegen Reiseschwierigkeiten nicht teilnehmen konnten. (Mal ganz davon abgesehen, dass es in Sachsen 2 Bernsdorfs gibt, wie einige etwas spät feststellten, was ihnen auch gleich eine verlorene 1. Runde einbrachte...)

Abgesehen davon standen im Vorfeld einige Testrunden an, die je nach Laune mehr oder weniger intensiv ausfielen und auch mal in einer Romme-Runde endeten. Außer viel Spaß kamen dabei auch einige ganz brauchbare Ergebnisse raus. So verworf ich den Gedanken an Frog, obwohl mir das Deck gefiel und manchmal auch ziemlich beeindruckte, da ich so jede 3. Starthand wegwerfen konnte. So ähnlich verhielt es sich mit fast jedem anderen Deck, was dazu führte, dass ich bis zum Schluß keine Ahnung hatte, what to play. Am Ende entschied ich mich für das Kleine Schwarze, da man mit diesem nie ganz schlecht aussah und manche Decks richtig schwach machen konnte... Als Grundlage diente das Kibler-Deck, bei dem mich nur störte, dass ich ständig mit 2 FTKs und ohne Rot-Mana da saß. Schnell wollte ich wenigstens Color-Screws vermeiden und beschloß nur noch mit traditionellem schwarzen Manaquellen zu spielen. (Umso mehr beeindruckt es mich immer wieder, wie Leute in anderen Bundesländern in die TOP-8 kommen, die mit 8 Splashcolor-Manaquellen so 14 Karten spielten oder für ihre 6 Sprüche immerhin 4 haben...)

Um gegen Kreaturendecks weiterhin eine Chance zu haben, versuchte ich zunächst volle 4 Schwärme, was aber nicht alle Probleme löste, da bspw. Frog manchmal ganz gut drum rum spielen kann. Also die Butcher revealt und für gut befunden. Dann noch was gegen Lavamancer & Co gesucht und am Ende Crippling Fatigue über die Plague ins Deck genommen. Die letzte Änderung waren die Ratten, die mich nie wirklich überzeugten und von Zombies ersetzt wurden, die besonders gegen U/G deutlich besser aussahen, da sie statt den Wurm abzuwerfen diesen aus dem Friedhof entfernten. Am Ende stand dann folgendes Deck:

Das Sideboard hat Prima funktioniert, nie habe ich Slays oder ähnliches wirklich vermißt...

Die Reise verlief relativ unspektakulär, wenn man von den üblichen Verirrungen absieht, die halt entstehen, wenn 3 Autos in Kolonne fahren, wovon keiner wirklich wußte, wo es lang ging. So fanden wir uns dann auch im legendären "Goldenen Hirsch" ein, wo schon Sachsens versammelte Magic-Elite wartete. Der El war auch anwesend, wollte sogar mitspielen und hatte natürlich Frog am Start. Statt irgendwelcher Magic-Diskussionen überlegten Stefan und der Mario laut, welches Pop-Sternchen denn momentan am, äh, interessantesten sei. Der El schlug dann Stefans "Alizee" mit "Shakira" und passenden Beckenbewegungen aus dem Feld.

Angespornt von soviel Energie wurde dann auch das Turnier gestartet und sah gleich das Highlight, Pro-Tour-Player Martin Grimm vs. Den-Einzig-Wahren-El, was letzterer auch sofort aufgab, da er ja längst q'ed war. Im Testspiel revealte Mario dann übrigens den 4.-Runde-Kill-Draw... Ich spielte auch gegen die Netz-Frog-Version, ein wenig dankbares Matchup, was aber durch Doppel-Screw des Gegners doch weniger problematisch war, als befürchtet. (wie gesagt, typisches Deck, was nur der Mario spielen kann...) Danach wartete ein netter Kerl mit U/g auf mich, was eh ein sehr gutes Match-Up ist, ganz besonders, wenn er sich auf grün screwed, nur Schlangen zieht und mit seinem einzigsten Counter meinen Ichoriden stoppt... (Natürlich war der Counter KEIN Syncopate.)

Bis zu diesem Zeitpunkt lief auch alles ganz ordentlich und die Favoriten standen fast durchgängig bei 2-0. In Runde 3 wartete Udo Franz aus Chemnitz auf mich. Der mampfte gemütlich ein leckeres Essen vor meinem knurrenden Magen (Studenten haben halt Probleme mit Essen, wenn es 6+ Euro kostet...:-(), doch darauf will ich nichts schieben. Der Udo fängt also mit Wald, Go an, ich denke mir, das wird ja gemütlich, bis ich per Duress Llanowar Knight & Mystic Crusader sehe. Ein Fiend frißt einen, während zu dem Crusader ein zweiter Knight kommt. Ich sitze ohne Edict da und spiele ein paar Kreatürchen, dass er nicht auf die Idee kommt groß anzugreifen. Zu dem Pro-Black-Duo gesellt sich noch eine Voice of All (Pro Black, guter Mann, der Udo ;-)), so dass es wirklich knapp wird. Der Butcher greift sich die einzigste Non-Pro-Black Kreatur auf seiner Seite (Random Dryade), was ihn gleich zu einem Zorn veranlaßt... So bin ich nochmal im Spiel, da ich zu dem Icho im Friedhof noch einen zweiten lege und ein knappes Damage-Race gewinne.

Ich atme dreimal durch und gehe ans Sideboarden. Der Plan geht zu Kreaturen-Rush und im Notfall Braids, da er so 0 Removal (vom Zorn mal abgesehen...) spielt. So sieht das Spiel auch aus. Ich lege so 3-4 Kreaturen, er auch, alle Pro-Black. Ich weder Edict noch Blood, lege noch 2 Critters, um nächste Runde die Braids loslegen zu lassen. Er legt Enforcer und... Sacred Ground, soviel zum Braids-Plan. Da er diesmal auf den Zorn verzichtet verliere ich gegen eine Pro-Black-Stimme.

Spiel 3 erwische ich mit Duress die Cloak, er hat auch nur 2 Pro-Black Critters. 5 Runden später hat er 3 Llanowar Knights (2 im Spiel, 1 tot, dank I.Blood), 2 Crusader (1 im Spiel, 1 unter Fiend), 1 Enforcer am Start. Noch träume ich vom Damage-Race, bis er auch noch den passenden Cop auspackt. Nochmal um es verständlich werden zu lassen: Ich Mono-Black mit Realen 0 Edicts (halt gar keins gezogen) gegen Udo.dec

4 LLanowar Knights
4 Mystic Crusader
4 Mystic Enforcer
4 Voice Of All
4 Anthem
4 Cloaks

alles Maindeck, + x-Cops nach dem Boarden...

Soviel zu Runde 3. In Runde 4 wartete dann gleich einer von Sachsens 4 Pro-Tour Playern auf mich, Martin "Lavamancer" Grim(m). Er spielte Squirrel Opposition, was nicht gut für mich ist, zumindest, wenn er eins der beiden Enchantments rausbekommt. Da dies möglichst verhindert werden sollte, beschloß ich eine riskante Starthand mit 2 Duress, 2 Fiend, aber nur 1 Swamp zu halten, wobei er anfing. Dieses Spiel sah in Runde 8 Martin mit 8 Ländern, mich mit 2. Er keine Spells, ich keine Länder. Ich zog mein 3. Land er sein Beast Attack. In dieser Form ging es dann weiter, jedoch nicht allzu lang, da er bald Call x2 spielen konnte und ich halt nur 1 Butcher oder so.

In Spiel 2 zog ich fast die gleiche Starthand, mulligane jedoch, da ich anfangen sollte (außerdem macht Schaden ja bekanntlich klug...). Die 6 Karten Hand verfolgte mich mit dem bekannten Bild, Duress, Fiend x2, Swamp x1. Gut, meine Möglichkeiten waren gering. Duress, Fiend x2 und ein Fire von ihm sah das gewohnte Szenario: Er so 10 Länder 3 Spells, ich so 3 Länder 10 (4+ Mana) Spells. Er zog dann von oben nacheinander Opposition, Call x3, was mehr als genug für mich war.

Damit war schon wieder alles gelaufen und ich konnte gemütlich den anderen zuschauen. Natürlich zeigte mein Deck in den nächsten beiden Runden, wozu es ohne Probleme fähig ist und ohne größere Schwierigkeiten erreichte ich wenigstens noch das 4-2.

Interessant war, dass der El die TOP-8 trotz freiwilligen FirstRound Losses noch geschafft hätte, wenn er nicht gedroppt wäre. (Aber was wäre der El ohne einen Drop?) Ich weiß nicht, wie oft er den Sentinel-Charge-Start hatte, aber es war wohl jedes Spiel, wo er nicht mit Mongrel-Temper begonnen hat... Soviel zum Thema Konstanz.

Dass dieses Turnier auch für andere sehr bitter laufen konnte zeigte sich auch am Beispiel von Martin, der außer gegen El & mich auch noch gegen den RSR, sowie einen weiteren guten Dresdner & Leipziger Spieler ran mußte, während einige Top8ler doch deutlich leichtere Gegner vorzuweisen hatten. Das soll jetzt niemanden abwerten, sondern nur verdeutlichen, wie groß der Glücksfaktor halt ist. (Was dachtet ihr denn, wieviele 16-Pro-Black-Kreaturen-Decks so rumrannten?)

Die besten 8 setzten sich dann aus alten Veteranen, wie den Sebastians (Richter & Grond), Publikumslieblingen, wie John Fahlteich & vielen Dresdnern & Leipzigern zusammen.

Ich beschloß ein wenig zu TableJudgen und bekam auch gleich die interessante Paarung Valentin Schneider gegen John Fahlteich ab. Valentin spielte U/G Madness-Treshhold-Flashback, mit dem er hauptsächlich gegen die zahlreichen G/R-Decks sehr gut aussah. John gehörte zu den Leuten, die ins falsche Bernsdorf gefahren waren und so die erste Runde verloren. Umso bemerkenswerter, dass er sich doch noch in die Finals spielen konnte. Sein Deck war sicherlich eins der wertvollsten des Turnieres, mit allen guten Invasion-Block-Karten in W/B/G, was mit Monger, Deed, Vindicate & Co. schon einige sind. John trat übrigens völlig ohne Torment-Karten im Maindeck an.

Das Spiel war dann relativ einseitig, da John die Lynxe im Doppelpack zog, genauso, wie die Deeds & den einen Monger, wohingegen Valentin auch wirklich 0 Bounce revealte.

Im Halbfinale mußte John dann gegen "Chicken" ran, der glaube ich als Daniel Weile getarnt in Dresden lebt & R/G spielte. Das Spiel war enger, doch am Ende gelang es Chicken die letzten Schadenspunkte durchzuskizziken und somit zur DM zu kommen. Im anderen Halbfinale setzte sich dann Henry Kretzschmar durch, der in das schnelle schwarze Deck noch ein paar Deeds & Monger gepackt hatte, was ihn gegen einige Decks einen riesigen Vorteil verschaffte. Außerdem hatte er einen (!) Laquatus Champion, mit dem er wohl jedes 2. Spiel gewann. Gratulation an die beiden.

Damit war also die ganze Aufregung vorbei und neben einigen enttäuschten Mienen konnte man doch jetzt auch das eine oder andere Strahlen bewundern. Sehr positiv aufgefallen ist mir übrigens die sehr angenehme Atmosphäre, wo sich wirklich jeder Spieler für andere freuen konnte und selbst unglückliche Verlierer noch zu fairen Gratulanten wurden. Ich glaube, das ist leider nicht mehr selbstverständlich.

Mit diesen Gedanken heißt es mal wieder, fertig,
Danke & B.B.

Props:
- El Mario, Frank Morgenstern u.a., die eigene Interessen zurückstellten um Freunden die DM zu ermöglichen. (was leider nicht immer klappte...)
- Stefan Heumann, gleicher Grund, anderes Turnier, selber Ausgang...;-)
- Henry & Chicken, 2 die zwar nicht zu den bekanntesten Spielern gehören, aber ganz sicher zu den eifrigsten und dadurch die Quali sicher verdient haben

Slops:
- nur 2 Slots, Sachsen hätte wohl mehr verdient...
- Mono-Black vs. 16 Pro-Black-Critters... fast wie bei Themendecks mit Ratten gegen Ritter spielen zu müssen... (da gibts auch ziemlich viele hellweiße-anti-schwarze...)
- Al Basha, Ali Baba oder Ben. Warum gibt es noch keine Döner-Filiale in Bernsdorf für arme, hungrige Studenten?

Machts gut,
Midi;-)

Michael Diezel, 02. April 2002