Reya Dawnbringer

Magic: the Gathering in Dresden und Umgebung

Moderne Turnierbetrachtungen

In Dresden ist Modern immer noch ziemlich farblos ;)

Wir haben Modern gezockt beim Moritz im Comic Tempel. 30 Spieler waren dabei, davon auch wieder einige aus Leipzig. Das ist immer sehr erfreulich und zeigt, dass wir hier auch eine sehr angenehme Community haben. Die Teilnehmerzahlen zeigen übrigens auch, dass Modern als Format bei den Spielern begeisternd angenommen wird. Ein Standard-Turnier erreicht selten diese Menge. Natürlich lag das auch an der äußerst unspektakulären Standard-Saison, die hinter uns liegt. Aber ich denke, es wird schon deutlich: Modern macht Spaß und Modern ist ein tolles Format.

In meiner Jahreshistorie war es übrigens das 4. Modern dieses Jahr, und das wollte ich dann auch zum Anlass nehmen, einen kleinen offiziellen Überblick über das ostsächsische Modern-Meta zu erstellen. Im Verlauf des Jahres ist mir aufgefallen, dass wir in Dresden auf der einen Seite sehr sehr vielseitige Decks haben und auf der anderen Seite die als "Budget-Decks" bezeichneten doch recht häufig sind. Und dazu zählen: Mono-Rot, Tron und Affinity.
Jetzt mag der eine oder andere aufschreien, dass Affinity gar nicht sooo günstig ist. Aber im Endeffekt bekommt man ein Affinity-Deck doch eben wesentlich besser zusammen als jedes andere Deck, das mindestens 8 Fetchländer spielt und dann eben auch noch ordentliche Value-Karten. Glücklicherweise dürfte sich das Fetchland-Problem aber auch sehr bald erledigt haben. Im Übrigen muss man zu den 3 genannten Decks auch erwähnen, dass sie, nur weil sie günstiger sind als andere, nicht unbedingt schlecht sind. Affinity zählt ziemlich offensichtlich zu einem der stärksten Decks überhaupt, aber auch die anderen beiden zeigen auch gute Ergebnisse. Mono-Rot hat in den vergangenen Wochen einige PTQ-Siege erzielt und bleibt ein ernst zu nehmender Gegner. Und Mono-Blau-Tron hat den letzten Modern-GP in Boston gewonnen.
Ich selbst habe Dresdener Modern-Turniere immer gern zum Testen genommen. Leider waren dabei auch einige sehr unerfolgreiche Runden dabei, so dass ich mich diesmal entschieden habe, das Deck zu spielen, welches ich seit einigen Monaten schon auf verschiedenen PTQs pilotiert habe: Jeskai-Control. (Wer den neuen Tarkir-Clan nicht kennt: Das steht für Blau-Weiß-Rot ;)) Denn wenn eines wichtig ist in diesem Format, dann Spielpraxis und Erfahrung mit dem eigenen Deck. Dazu kam bei mir auch die Überlegung, dass ich vor allem gegen die drei genannten Decks nicht hoffnungslos dastehen will. Meine Vorhersage sah ungefähr so aus: 30 Spieler, davon 4 Rot, 3 Affinity, 3 Tron und dann 20 andere, jeder mit einem anderen Deck. Auf dieser Basis habe ich mein Deck ein klein wenig angepasst. Vor allem das Burn-Matchup hat mir Sorgen bereitet. Das führte dann zu einem Batterskull, der ins Maindeck gewandert ist, und 3 Leyline of Sanctity, die im Sideboard auf den Einsatz warteten. Gegen Affinity fühlte ich mich mit dem Deck doch recht gut aufgestellt, und gegen Tron gab es mit Sowing Salt und Crucible of Worlds auch ein paar feine Lösungen im Sideboard.

Soweit zur Vorbereitung; schauen wir doch nun mal, wie es tatsächlich war. Da von 30 Decks keine Liste wirklich identisch doppelt war, habe ich mir an dieser Stelle auch ein wenig die Freiheit herausgenommen, ein paar Deck-Typen zusammen zu werfen, auch wenn diese vielleicht nicht unbedingt in den selben Archetyp gehören.

5Blau-Weiß-Rot (2x Control, 1x Delver of Secrets mit Geist of Saint Traft, 1x Geist of Saint Traft-Midrange, 1x Splinter Twin)
4Tron (davon: 2x Mono-Blau, 2x Grün-Rot)
2Burn
2Affity (1x klassisch, 1x "Goyf-finity")
2Sliver
2Mono-Grün
1Faeries, Junk, Bogles, Melira-Pod, Blue-Moon, Soul Sisters, BWR Midrange, Scapeshift, Ad Nauseam, UG Infect, Dregevine, Amulet of Vigor-Combo, Storm

Wie ihr seht, war meine Prognose nicht vollkommen zutreffend, aber zumindest doch im Ansatz richtig.
Im zweiten Schritt grenze ich das Ganze mal auf die Top15 ein; das sind alle, die nach 5 Runden mindestens 3:2 standen:

3Tron
2UWR
1Affinity
1Faeries, Junk, Bogles, Melira Pod, Blue-Moon, Soul Sisters, Mono Red, Mono Green, BWR Midrange

Fehlt jetzt eigentlich nur noch die Antwort auf die Frage: Wer hat gewonnen? Affinity! Das eine klassische Affinity Deck, das diesmal anwesend war, hat einfach direkt das 5:0 hingelegt. Glückwunsch dazu. Übrigens auch diesmal gab es von Moritz als Überraschung einen sehr guten Preis für den ersten Platz: Eine Box "From the Vault: Annihilation".

Allerdings möchte ich an der Stelle auch anmerken, dass von den 4 Modern-Turnieren in diesem Jahr dies jetzt der 3. Sieg von Affinity ist. Und damit will ich mich auch gleich an die anderen 28 Nicht-Affinity Spieler wenden und fordern: Leute, nehmt das Affinity-Matchup ernst! Das gilt übrigens auch für mich. Denn beim Sideboarden habe ich diesmal festgestellt, dass meine Sideboard-Liste eigentlich kaum Verbesserungen bietet und damit das Matchup eben doch so ausgeglichen ist, dass am Ende auch entscheidend ist, wer die besseren Karten zieht. Ich bin diesmal gegen Affinity ziemlich chancenlos untergegangen, so dass ich am Ende mit 4:1 "nur" den dritten Platz errungen habe ;-).

Zum Abschluss möchte ich an der Stelle noch drei Spieler besonders hervorheben, denn von 30 teilnehmenden Decks haben diese Spieler eine völlig eigene Idee eingereicht. Auf Platz 9 und damit ganz knapp an der Top 8 gescheitert ist Franz Plate, der mit einem Blau-Roten Control-Deck mit Blood Moon angetreten ist. Natürlich gibt es seit der letzten ProTour das "Blue-Moon"-Deck als Archetyp. Aber damit hat Franz' Deck eben auch nur einen sehr kleinen Teil an Überschneidungen. Und gerade Tamiyo, the Moon Sage und Jace, Memory Adept sind auch zwei Planeswalker, die man im Modern sonst gar nicht sieht. Ebenfalls mit 3:2 noch in der oberen Hälfte ist Simons Schwarz-Weiß-Rotes Deck. Diese beiden sind also auch ein gutes Beispiel dafür, dass man mit etwas Kreativität auch mal ein Deck abseits des Modern-Mainstreams erfolgreich spielen kann. Als dritte Eigenkreation gibt es dann noch Philipps Mono-Grün-Variante, die in den Tests irgendwie erfolgreicher war. Und bei den beiden Sliver-Decks denke ich auch, dass dort eher eigene Kreativität drin steckt, auch wenn es Sliver im Modern als etablierten Archetypen gibt.
Alle anderen Spieler, mich eingeschlossen, haben aus der Vielfalt der verfügbaren und bekannten Decks für sich selbst das passende herausgesucht. Aus meiner Sicht spricht gar nichts dagegen, ein vorhandenes Deck zu nehmen, zu lernen und zu spielen. Nur sollte man dann Maindeck + Sideboard nicht auch noch 1:1 übernehmen, sondern mindestens im Sideboard anfangen zu optimieren. Wenn man weiß, was einem auf dem Turnier begegnen wird, dann kann man mit etwas eigener Energie daraus eine gut angepasste Variante erstellen. Und manchmal nimmt man eben doch noch eine Karte mehr gegen Affinity ins Sideboard und lässt dann eher ein anderes Matchup etwas offener. Ich hoffe, mein Bericht gibt euch dafür einen guten Ansatz.
Ich wurde auch diesmal vor dem Turnier um Tipps zum Sideboarden gebeten und kann es an dieser Stelle nur wiederholen: Nehmt euch die Matchups, die am häufigsten sind, und überlegt, wie viele Karten aus dem Maindeck ihr überhaupt herausnehmen könnt und wollt. Es bringt wenig 10 Karten im Sideboard zu haben, die man spielen möchte, wenn man aber nur 2 oder 3 Karten überhaupt herausnehmen kann.

Euer Alex
@TheTogaras

Alexander Steinbeiß, 14. September 2014

 

Kommentar von Matschie am 14. September 2014

Kaum spielt man mal nicht mit, gewinnt Affinity - schämt euch^^

Zum Anfang erstmal vielen Dank dafür, dass wieder etwas bei reya zu lesen ist :)
Die Deckzusammenstellung ist durchaus hilfreich. Auch wenn man wieder sieht, dass in DD einfach alles spielbar ist. Zum Glück.
Mal sehen, wie es sich in der nächsten Zeit entwickelt, wenn die Manabasis noch viel besser wird. Der GPT wird spannend :)

Kommentar von Alexander [aus Dresden] am 15. September 2014

Ich versuch mal, dass ich sowas regelmässig und vor allem auch etwas zügiger hinbekomme. Hat ja diesmal über eine Woche gedauert bis ich es zusammengeschrieben habe und dann hat es noch mal etwas Zeit in Anspruch genommen, bis es dann veröffentlicht wurde. Mein Plan ist dabei auch die Entwicklung zu beobachten:
- Welche Änderungen gibt, wieviele kommen mit exakt der selben Liste, wieviele Deckoptimierungen gibt es, wieviele komplette Deckänderungen gibt es
- Was bleibt über die Dauer konstant
- Welche Decks und welche Spieler schneiden regelmässig gut ab
- Vielleicht auch ob es Spieler gibt, denen man in der Vorbereitung etwas mehr unter die Arme greifen kann
- Wo ist die größte Kreativität erkennbar

Achja, ich denke nicht, dass wir gleich zum GPT schon eine Fetchland bedingte Optimierung bekommen, dass wird sich dann auch erst über die Zeit hinentwickeln. Ich hoffe, dass es ein paar Affinity bedingte Optimierungen gibt, und aber auch, dass Affinity weiterhin konstant dabei ist.

Kommentar von Matschie am 15. September 2014

Nice - gute Idee. Statistiken sind immer gut :)

Bzgl den Fetchländern: Ich denke, dass die Manabasen der bisherigen Decks erstmal gepimpt werden. Was teilweise schon eine gewaltige Optimierung sein kann. Aber wir werden sehen.